Volltextsuche
Das große Mando Diao Interview
vom 16.10.2009 07:45
Das große Mando Diao Interview

Birk Grüling: Du bist mit 26 Jahren ja noch ziemlich jung, gibt es da häufig Tage an denen man aufwacht und sich fragt, „Wow, was ist das jetzt? Ist das alles real um mich herum?“

Mats Björke: Ja, klar gibt es das. Besonders wegen der tollen Welt um mich herum, mit Musik und super Leuten. Überall gibt es Inspiration für mich. Es macht Spaß seine Shows zu spielen. Das ist die eine Seite. Andererseits wache ich auch manchmal auf und frage mich, „Bist du das wirklich?“. Dann verliere ich auch meine Inspiration und habe kein Lust Musik zu machen. Aber im Großen und Ganzen ist es doch ein tolles Gefühl mit Mando Diao Musik zu machen und damit Erfolg bei den Menschen zu haben.

Birk Grüling:
Was war dein Traum als du 14 Jahre alt warst?

Mats Björke: Ich wollte eigentlich schon damals Rockstar werden. Ich habe in ganz vielen verschiedenen Bands gespielt und hatte sehr lange Haare. Ich lief meist in Ledersachen durch die Schule und hab mehr Musik als Hausaufgaben gemacht. Ja, ich wollte wirklich Rockstar werden, auch wenn das jetzt etwas abgedroschen klingen mag.

Birk Grüling: „Dance with Somebody“ wird zur Zeit in jeder Disko gespielt. Was war eigentlich deine erste Discoerfahrung?

Mats Björke: Es muss ich erstmal klar stellen, wir wollten keinen Discosong schreiben. Vielmehr haben die Fans ihn etwas dazu gemacht. Was ja auch gut ist, allerdings hast du schon recht, unsere eigenen Discoerlebnisse haben den Song und vielleicht auch das ganze Album stark beeinflusst.
Mhh aber meine erste Discoerfahrung... also erstmal waren nur Mädchen auf der Tanzfläche. Sie waren sehr hübsch und unerreichbar. Wir standen nur schüchtern in der Ecke und haben auf Wunder gewartet. Manchmal haben wir uns noch der Bar angestellt, um uns ein Bier zu holen. Aber auf die Tanzfläche habe ich mich damals nie getraut.

Birk Grüling: Eine Jahreshälfte herrscht in eurer Heimat absolute Dunkelheit. Was macht man das als Jugendlicher? Ist es vielleicht sogar eine logische Konsequenz Musik zu machen?

Mats Björke: Man geht nach der Schule oder Arbeit sofort nach Hause und schließt sich aus. Den Rest des Tages setzt man keinen Fuß vor die Tür. Die Leute gehen auch kaum noch mal ein Bier trinken oder auf ein Konzert. Alle sind eigentlich nur deprimiert und sehnen den Frühling herbei. Aber es stimmt schon diese Dunkelheit hat mich als Musiker schon sehr geprägt. Für mich war Musik immer eine Möglichkeit die trüben Gedanken in dieser Zeit wegzurocken. Auch unsere neues Album „Give me Fire“ ist genau für solche Zeiten geschrieben. Wir wollen die Leute ermuntern zu sagen: „Auf geht’s, wir gehen raus und haben Spass.“ Das ist vielleicht sogar spanisches Lebensgefühl auf unsere Platte.

Birk Grüling: Welche Musik hat dich eigentlich als Jugendlicher beeinflusst?

Mats Björke: Beeinflusst hat mich vieles. Aber an ein Album erinnere ich mich besonders, an das Nevermind von Nirvana. Das habe ich als Teenager im Dänemarkurlaub gekauft. Ich war da zehn Tage mit meinen Eltern und es gab in dem Ferienhaus keinen CD-Player. Also saß ich 7 Tage wartend vor der CD und hab sie einfach nur angestarrt. Es war ein ganz großer Moment, sie dann zuhause in Börlange hören zu können. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.

Birk Grüling:  Wie war das eigentlich mit der Schule bist du gern in die Schule gegangen?

Mats Björke:  Nicht wirklich! Am meisten mochte ich eigentlich Kunst, Musik und Theater und auch Schreiben und Bücher. Aber zum Beispiel war ich sehr schlecht in Mathe und habe nichts in schwedischer Grammatik gelernt. Aber da habe ich auch meistens wegen meiner Klavierstunden gefehlt.

Birk Grüling:  Was war dein schönstes oder schlimmstes Schulerlebnis?

Mats Björke:  Am Schönsten war auf jeden Fall der Übergang von der sechsten zur siebten  Klasse. Das war für mich eine wichtiger Schritt zum Jugendlichen. Man hat seine alte Schule hinter sich gelassen und gehörte plötzlich zu den großen. Ich hatte das Gefühl mich selbst zu ändern und erwachsen zu werden. Das war mit Abstand das tollste Gefühl.
Sonst hatte ich oft Schwierigkeiten in der Schule weil ich sehr schüchtern war und irgendwie auch Außenseiter war.



Birk Grüling:  Du bist in Börlange groß geworden. Was ist speziell an dieser Stadt? Welche Probleme und welche Möglichkeiten haben Jugendliche bei euch?

Mats Björke:  Börlange ist eine wirklich kleine Stadt und das Leben ist sehr langweilig. Bis auf eine Woche im Jahr. Da ist dann hier „Peace and Love“-Festival mit 28.000 Leute! Es gibt eine Woche lang nur gute Musik und es ist immerhin das zweitgrößte Festival in Schweden. Wir sind da auch schon oft aufgetreten und waren da als Jugendliche eigentlich immer. Bei uns hat das viele inspiriert und ermutigt selbst Musik zu machen. Sonst hat die Jugend in Börlange, gleichen Probleme wie in ganz Schweden. Oft hat man nichts zu tun und man ist sehr isoliert. Es kommen kaum Einflüsse von außen dazu. Viele Jugendliche greifen deshalb zum Alkohol und anderen Drogen, weil sie nicht wissen was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Schweden hat meiner Meinung auch ein Problem mit der Integration von Ausländern. Bei uns bilden sich schon richtige Ghettos. Das ist wirklich schade und nicht gut. Diese Probleme gibt es aber nicht nur in Börlange, sondern überall in Schweden.

Birk Grüling:  Wann hast du dich entschieden Musiker zu werden und nicht Lehrer oder so was?

Mats Björke: Das war ein Jahr bevor ich bei Mando Diao angefangen habe. Ich bin nach Stockholm gegangen um Musik zu studieren. Ich habe einiges gemacht, in Bands gespielt, gejobbt und etwas studiert. Für ein paar Monate bin ich dann nach Börlange zurückgekehrt, um Geld als Kellner zu verdienen. Danach habe ich gesagt, nein das ist einfach nichts. Du wirst Musiker. Ich wusste das Mando Diao einen Keyboarder suchten. Das Problem war nur, sie wussten es noch nicht. Aber immerhin kam ich aus der gleiche Stadt und Straße wie die anderen und wir sind auch zusammen zur Schule gegangen. Dann hatte ich einfach noch ein wenig Glück. Ich habe den Schritt aber auch nie bereut.

Birk Grüling:  Heute hast du selbst Kinder. Was gibst du ihnen mit auf den Weg?

Mats Björke:  Sie sollen aufwachsen und sich bei einfach gut fühlen. Ich möchte ihnen zeigen, das alles möglich ist. Ich möchte einfach glückliche Kinder haben, die ihren Lebenstraum verwirklichen. Wichtig ist für mich auch, dass sie glücklich und ohne Sorgen aufwachsen. Daher möchte ich auch soviel Böses wie möglich von ihnen fernhalten.

0 Kommentare
neuen Kommentar schreiben
Dieser Eintrag wurde bisher nicht kommentiert. Der Autor freut sich bestimmt über einen Kommentar von dir.

Wir arbeiten aktuell an der neuen Version von TooBrain.com.

Hast Du Wünsche, Ideen oder Anregungen?

Das BrainTeam würde sich über Feedback freuen!

Jetzt Dein Feedback senden!

Sedo - Domains kaufen und verkaufen das Projekt toobrain.com steht zum Verkauf Besucherstatistiken von toobrain.com etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse