Pro Woche fallen rund eine Millionen Unterrichtsstunden aus. Die Klassen werden immer größer, 31 Schüler in einer siebten Klasse sind keine Seltenheit. Förderunterricht an Schulen ist kaum verbreitet und die Eltern sind oft nicht die richtigen Lern- und Erklärpartner.
Deshalb Eltern schicken ihre Kinder immer früher zu Nachhilfeinstituten um einen guten Bildungsabschluss möglich machen zu können.
Und Nachhilfe lohnt sich, dass sagen jedenfalls zahlreiche Studien. Professor Eiko Jürgens von der Universität Bielefeld fand im Rahmen einer Studie heraus, dass sich mehr als 80% aller Nachhilfeschüler um mindestens eine Note verbessert haben. Laut den Ergebnissen des Erziehungswissenschaftlers sind nicht nur die Schulnoten besser geworden, sondern es gab auch andere nachhaltige Effekte.
Nachhilfebranche profitiert von Bildungsmisere
Mehr als 3.000 Nachhilfe-Institute gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Wirkliche Qualitätsstandarts gibt es so gut wie gar nicht. Die Branche boomt und wird vom Staat unterstützt - die Nachhilfeinistute müssen nämlich keine Umsatzsteuer zahlen. In der Nachhilfebranche läuft einiges falsch, meint auch Dr. Margitta Rudolph von der Uni Hildesheim, "Für viele ist Nachhilfe eine Lizenz zum Gelddrucken. Das Geschäft mit dem Bildungsmangel ist lukrativ. Die Expansionsraten werden durch den Staat auch noch gestützt, in dem er die Nachhilfeinstitute nicht richtig besteuert."
Eine ganze Branche nutzt die Bildunsmisere bitter aus. Jetzt geht der Studienkreis noch einen Schritt weiter. Für Eltern, die sich keine Nachhilfe leisten könnten, gibt es nun in Kooperation mit Creditplus Nachhilfekredite. Zuerst soll dieses Modell in Nordrhein-Westphalen ausprobiert werden.
"Wir vergeben zwar auch Stipendien an Schüler aus finanzschwachen Familien. Mit dem Kredit wollen wir aber eine zusätzliche Möglichkeit für diese Familien schaffen, um sich Nachhilfe zu nehmen.", so das Statement des Studienkreises gegenüber toobrain.com
Es kann einfach nicht sein, dass sich Eltern verschulden um Nachhilfe zu nehmen. Es gibt auch bessere Alternativen, z.B. die Hausaufgabenbetreuung der Caritas oder dem Kinderschutzbund. "Würden die Eltern das Geld, das sie pro Jahr in Nachhilfe investieren, den Fördervereinen der Schulen zukommen lassen, könnten diese trotz der vom Staat zusammengekürzten Budgets eigenen schulinternen Förderunterricht anbieten.", so der Vorschlag von Margitta Rudolph.
Natürlich ist Nachhilfe eine sinnvolle Investition die Schulprobleme lösen kann, aber wenn sich das nur die zahlungskräftigen Familien oder über die Aufnahme eines Kredites leisten können, ist Nachhilfe ein weitere Beitrag dazu, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich auch im Bildungssektor weiter vergrößert.

vom 15:31 um 21.06.2010
Nahrungsmittelbranche profitiert von Hunger, Pharmaindustrie profitiert von Krankheit, Telekombranche von Kommunikationsbedürfnissen usw. Kein Angebot ohne Nachfrage.